News des Tages: Video des CSD-Attentäters, Netanyahu und der Bruch mit den USA, Angst der US-Rentner vor dem Börsencrash

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Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Storys – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.

1. Abdul. B und die Hilflosigkeit der Behörden

Anschlagsort am Berliner Tiergarten

Anschlagsort am Berliner Tiergarten

Foto: Christian Ditsch / epd / IMAGO

Je mehr Details über Abdul B. ans Licht kommen, den mutmaßlichen Attentäter des Christopher Street Days, umso klarer scheint, dass die Geschichte des jungen Mannes auch eine über die Grenzen und Schwächen der deutschen Justiz und Sicherheitsbehörden ist. Nach SPIEGEL-Informationen hat sich der 21-Jährige, der am Sonntag bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war, vor der Tat in einem Video zur Terrororganisation IS bekannt. Bei dem Attentat am Samstag kam eine 65-jährige Frau ums Leben, 31 Menschen wurden verletzt. Die Botschaft wurde auf seinem Handy gefunden.

Es dürfte nur wenige Männer in der deutschen Islamistenszene geben, deren Radikalisierungsgeschichte so gut dokumentiert war wie die des Abdul B. Im Februar 2022 verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung. Vergangenes Jahr wollte sich Abdul B. der Terrorgruppe IS in Syrien anschließen, zu der er sich auch auf dem Video bekennt. Im November 2025 kam er in Deutschland in Untersuchungshaft. Aber obwohl die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin eine Freiheitsstrafe wegen der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat in Höhe von knapp drei Jahren gefordert hatte, kam er auf freien Fuß. Noch am Tag des Anschlages wurde Abdul B. von den Sicherheitsbehörden überwacht. Natürlich gibt es in einer freien Gesellschaft nie totale Sicherheit. Nur wird eine Frage in den kommenden Tagen und Wochen intensiv diskutiert werden müssen: Wenn die Behörden nicht einmal einen Mann wie Abdul B. von einem Attentat abhalten können, der unter so strenger Beobachtung stand – wen dann?

2. Netanyahu und die Radikalisierung des Likud

 »Hier ist die Zukunft Israels«

Likud-Abgeordneter Boaron in der jüdischen Siedlung Amihai im Westjordanland: »Hier ist die Zukunft Israels«

Foto: Jonas Opperskalski / DER SPIEGEL

Heute ist der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu zu Gast im Weißen Haus. Es ist ein Besuch, der für Donald Trump nicht ohne Risiko ist. In der US-Politik vollzieht sich derzeit eine geradezu historische Wende, die das Ende der engen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Israel einleiten könnte. Es sind nicht nur Demokraten, die sich von Israel abwenden, weil sie der Regierung Kriegsverbrechen in Gaza vorwerfen. Sondern auch Republikaner, die immer offener sagen, Trump habe sich von Netanyahu in einen endlosen Krieg gegen Iran hineinziehen lassen. Selbst Trumps Vize JD Vance ging kürzlich im Podcast von Joe Rogan auf Distanz zur Regierung in Jerusalem und sagte, es könne kein Zweifel daran bestehen, dass es Leute innerhalb des israelischen »Systems« gebe, »die die amerikanische öffentliche Meinung so zu verändern versuchen, dass der Krieg in Iran endlos weitergeht.«

Wer verstehen will, warum Netanyahu eine solche Skepsis entgegenschlägt, sollte die Geschichte meiner Kollegen Juliane von Mittelstaedt und Thore Schröder lesen. Sie beschreiben detailliert, wie sich unter Netanyahu der Likud von einer rechten, aber pragmatischen politischen Kraft zu einer Partei gewandelt hat, die von den Rechtsextremen in Israel kaum noch zu unterscheiden ist – und die ganz offen für die Annexion des Westjordanlands plädiert. Ihre Geschichte ist eine aufschlussreiche Lektüre – auch für deutsche Politiker, die immer noch der Illusion anhängen, mit Netanyahu sei noch eine Zweistaatenlösung mit den Palästinensern möglich.

3. Staatlich subventionierter Aktienboom

 »Ich spreche nicht über eine Zehn-Prozent-Korrektur«

Händler an der Wall Street: »Ich spreche nicht über eine Zehn-Prozent-Korrektur«

Foto:

John Angelillo / newscom / picture alliance

Wer ein paar Jahre in den USA gelebt hat, der weiß, mit welch bangem Blick viele Amerikaner auf die Ausschläge an der Börse blicken. Für einen großen Teil der US-Bürger ist das Aktieninvestment kein lukratives Hobby, sondern existenziell für die Absicherung im Alter. In einer interessanten Geschichte schreibt meine Kollegin Katharina Kort, dass 61 Prozent der Amerikaner überwiegend aktienbasierte, steuerbegünstigte Altersvorsorgekonten besitzen – weshalb es für jeden US-Präsidenten zur Überlebensfrage wird, die Märkte bei Laune zu halten. »Wenn die Börsenkurse einbrechen, dann bricht auch das Altersvermögen vieler Amerikaner ein«, schreibt Katharina. »Das wiederum könnte verheerende Folgen für die Konjunktur haben, wenn die traditionell konsumfreudigen Amerikaner ihre Ausgaben drosseln.« Sie beschreibt, wie Ökonomen jetzt schon Szenarien entwickeln, wie die Politik die Börsen stützen könnte. Skeptiker werden einwenden, es wäre einfacher, wenn sich die Amerikaner nach europäischem Vorbild eine umlagefinanzierte Altersvorsorge zulegen würden. Aber so wie ich die USA kennengelernt habe, fühlt man sich dort wohler, wenn man die Fassade des freien Marktes aufrechterhält – und seine Schwächen still per staatlicher Intervention kuriert.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

 »Berg immer nah am Herzen«

Expeditionsteam auf dem Marsur-Felsen bei einer Akklimatisationstour nahe Skardu: »Berg immer nah am Herzen«

Foto:

Vincent Wörle

Kälte, herabfallende Felsbrocken und ein polierter Metallteller: »In Memory Laura Dahlmeier 2025«: Heute vor einem Jahr starb die Bergsteigerin Laura Dahlmeier am Laila Peak. Der SPIEGEL und ein Fernsehteam sind einen Teil der Route nachgegangen. Was findet man an diesem Schicksalsberg? 

Was heute weniger wichtig ist

Mamdani und seine Frau Rama Duwaji feiern das Basketballteam der Knicks

Mamdani und seine Frau Rama Duwaji feiern das Basketballteam der Knicks

Foto: Neil Constantine / NurPhoto / picture alliance

Zugeknöpft: Zoran Mamdani, 34, Bürgermeister von New York und Held des linken Amerikas, geht nie ohne Anzug aus dem Haus. Ich persönlich finde die Heilserwartungen, die in Mamdani gesetzt werden, eher etwas dubios. Der »demokratische Sozialist« Mamdani mag im liberalen New York als politische Marke funktionieren; für die Vereinigten Staaten ist es ein Rezept für die Niederlage. Wenn aber Mamdani etwas mehr Eleganz in die amerikanische Politik bringt (man denke nur an die notorisch zu lang gebundenen Krawatten von Donald Trump), kann ich das nur begrüßen. Zumal Mamdani sein Faible für elegante Kleidung mit einer Prise Humor versieht. Als er kürzlich zur Eröffnung der Badesaison in Dienstkleidung in einen öffentlichen Pool sprang, sagte er: »Ich glaube, ich habe den Begriff Badeanzug falsch verstanden.«

Tafel eines Restaurants in der Rhön

Tafel eines Restaurants in der Rhön

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

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In meiner Miniserie »Buchempfehlungen für den Sommerabend« würde ich Ihnen heute ein Buch von Isaac Singer ans Herz legen. »Feinde – die Geschichte einer Liebe« ist ein Roman über den Holocaustüberlebenden Herman Broder, der in Brooklyn mehr aus Dankbarkeit denn aus Liebe mit dem polnischen Dienstmädchen Yadwiga zusammenlebt, die ihn vor den Nazis versteckt hatte – und der gleichzeitig eine Affäre mit der ebenso schönen wie aufbrausenden Masha unterhält, die ihn wie Yadwiga heiraten will. Das Leben von Broder gerät endgültig aus den Fugen, als in New York seine Frau Tamara auftaucht, von der er glaubte, sie sei ebenso wie seine Kinder im Holocaust umgekommen. »Feinde – die Geschichte einer Liebe« ist ein trauriges und fröhliches und chaotisches Buch über Verlust und Heimat und Leidenschaft – und wenn Sie es nicht gleich in Ihrer Buchhandlung finden, können Sie die fast ebenso gute Verfilmung mit Ron Silver und Anjelica Huston  aus dem Jahr 1989 anschauen .


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr René Pfister, Parisu

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