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1. Jetzt wird endlich zurückgeholt
Warum machen Menschen in Petrostaaten Urlaub? Oder wollen sich in Ländern entspannen, in denen zwar sicher die Sonne scheint, aber die Menschenrechte teils grob missachtet werden? Das habe ich mich schon oft gefragt. Aber die »Selbst schuld«-Haltung, mit der Außenminister Johann Wadephul (CDU) jenen Deutschen begegnete, die nach dem Angriff auf Iran etwa in Dubai festsaßen, fand selbst ich heftig. Immerhin ist er kraft seines Amtes für ihre Sicherheit verantwortlich. (Lesen Sie hier die anfänglichen Aussagen Wadephuls.)
Heute entschuldigte er sich auf der Plattform X für Äußerungen am Vorabend im »heute journal«. Meine Kollegen Paul-Anton Krüger, Christoph Schult und Severin Weiland haben nachgezeichnet, wie sich der Minister in der ZDF-Sendung (und den Tagen zuvor) in der Frage verhedderte, ob und wann sein Ministerium eine Reisewarnung für die Region herausgegeben hatte (hier mehr ).
Wadephul will nun offenbar Verantwortung übernehmen für die Misere, die er und sein Ministerium mit verursacht haben – und zumindest alte und kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder zurück in die Heimat holen. An Vertrauen bildender Kommunikation kann er aber noch arbeiten. Im erwähnten Interview des »heute journals« sagte er, man werde »für diejenigen, die es riskieren wollen, einen Landweg suchen«, nach Saudi-Arabien oder Oman. Das klang so, als hätte er das nächste »Selbst schuld« schon einkalkuliert. In der Nacht zum Donnerstag soll nun die erste Lufthansa-Evakuierungsmaschine aus Maskat, der Hauptstadt des Oman, zurück nach Deutschland fliegen. Unterdessen landete am Dienstag ein erstes Flugzeug der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai wieder in Frankfurt am Main.
Lesen Sie hier die Geschichte der Kollegen: Das seltsame Krisenmanagement von Minister Wadephul
2. Das Ach-du-meine-Gütesiegel
Viele deutsche Industrien, etwa die Stahlbranche, darben derzeit. China flutet den Weltmarkt mit Ware zu Schleuderpreisen, weil der Staat die dortigen Produzenten massiv finanziell unterstützt. Die USA wiederum schotten sich mit Zöllen ab. Verlockend erscheint da eine »Made in EU«-Quote: Wenn der Staat selbst Geld in die Hand nimmt, um zum Beispiel Brücken zu bauen oder Autokäufe zu fördern, sollen bestimmte Mindestanteile der Industrieprodukte in Europa hergestellt worden sein.
Die EU arbeitet an einem entsprechenden Gesetzespaket, das am Mittwoch vorgestellt werden soll. Doch wie so oft könnte die Idee zu schön klingen, um wahr zu werden – das zumindest ist die Einschätzung meiner Kollegen Martin Hesse und Benedikt Müller-Arnold: Wirtschaftsexperten sähen die Pläne kritisch, »internationale Handelspartner könnten mit Gegenmaßnahmen reagieren, was die hiesige Exportwirtschaft breit träfe. Wenn Autobauer ihre Wagen sicher in Europa loswürden, hätten sie weniger Anreiz, sich weltweit wettbewerbsfähig aufzustellen«, schreiben sie (hier mehr dazu ). Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der möglichen Nebenwirkungen.
Angesichts des teils massiven Gegenwinds erwäge die EU bereits, die Regeln aufzuweichen, womöglich im Sinne von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der plädiere dafür, aus »made in Europe« ein »made with Europe« zu machen, also Produkte aus Ländern miteinzubeziehen, mit denen die EU ein Handelsabkommen geschlossen hat. Doch auch die abgeschwächte Version des EU-Siegels habe ihre Schwächen, schreiben die Kollegen.
Lesen Sie die ausführliche Analyse hier: Brüssel plant »Made in Europe«-Quoten – was hat die Wirtschaft davon?
3. Wenn Eltern ihren Kindern die Lust auf Kinder verderben
Rund jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, fast jedes fünfte Kind wächst als Trennungskind mit einem alleinerziehenden Elternteil auf. Welche Folgen diese Erfahrung für die Lebenswege der betroffenen Kinder hat, beschäftigt Forschende verschiedener Fachrichtungen schon lange.
Eine neue Studie hat nun herausgefunden, dass Trennungskinder etwas wahrscheinlicher selbst keine Familie gründen werden. Meine Kollegin Annika Freier hat die Arbeit ausgewertet und fasst sie so zusammen: »Lassen sich die Eltern scheiden, bekommen die Kinder später selbst weniger eigene Kinder.« (Hier lesen Sie mehr dazu. )
Für die aktuelle Studie werteten die Forschenden Daten von Menschen aus, die zwischen 1970 und 1980 geboren wurden, eine Stichprobe von insgesamt mehr als 1,75 Millionen Menschen. Sie profitierten dabei vom Meldesystem in den Niederlanden, das familiäre Beziehungen nachvollziehbar macht.
Bei Jungs schlägt sich die Trennung der Eltern offenbar stärker nieder als bei Mädchen. Männer, die dieses Schicksal teilen, bekommen demnach 13 Prozent weniger Kinder als Frauen, deren Eltern sich getrennt hatten – sie bekommen fünf Prozent weniger Kinder als ihre Vergleichsgruppe.
Warum das so ist, können Sie hier nachlesen: Lassen Eltern sich scheiden, bekommen ihre Kinder weniger Kinder – vor allem die Männer
Was heute sonst noch wichtig ist
Jetzt mit Generalsekretär und Mitgliederrat – Grüne beginnen Umbau der Partei: Mehr Außenwirkung, neue Gremien, strengere Regeln: Die Grünen planen den größten Umbau ihrer Parteistruktur seit Jahren. Erstmals soll ein Generalsekretär eingeführt werden – und einige Posten werden per Los vergeben.
Dutzende tote Zivilisten in Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan: Die beiden Länder liefern sich seit Tagen heftige Gefechte, die Rede ist von hohen Verlusten unter den Kämpfern. Nach Uno-Angaben kommen aber auch zahlreiche Zivilisten ums Leben.
Supreme Court stoppt Transgender-Vorschriften in Kalifornien: Mit gesetzlichen Regeln wollte Kalifornien Schüler entscheiden lassen, ob ihre Eltern erfahren, dass sie trans sind. Der Oberste Gerichtshof stoppt diese Praxis nun vorerst. Gouverneur Newson warnt vor einer »Geschlechterpolizei«.
Nur in jedem zehnten Paarhaushalt ist die Frau Hauptverdienerin: Lediglich bei jedem zehnten Paar hat die Frau ein höheres Einkommen als der Mann. In Familien mit Kindern ist der Anteil noch geringer. Eine Forscherin appelliert an Väter, Mütter mehr zu entlasten.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Mein Dinner mit Trump
Neulich bin ich über ein altes Video von Donald Trump gestolpert. Er stammt aus dem Jahr 1999, der heutige US-Präsident wollte damals erstmals für das Amt kandidieren und war zu Gast bei US-Talker Jay Leno. Nach fünf Minuten, die beiden plauderten und witzelten, ertappte ich mich bei einem für mich überraschenden Gedanken: gar nicht unsympathisch, der Mann.
SPIEGEL-Reporter Hornig, Trump-Anhängerin Holt Kramer, Hausherr Trump: Eine schillernde Gesellschaft
Foto: Frank Hornig / DER SPIEGELAls ich die Reportage meines Kollegen Frank Hornig las, musste ich mehrmals an das Video denken. Frank hat eine sehr wohlhabende und glühende Anhängerin Trumps in dessen Residenz Mar-a-Lago begleitet. »Wir schlagen die schwarz eingebundenen, mit einem goldenen Mar-a-Lago-Logo versehenen Speisekarten auf. Preise werden darin nicht angegeben, Geld spielt keine Rolle«, schreibt Frank. Die Tischnachbarn verraten ihm, dass das Essen nicht besonders gut sei.
Während er mit den Selfmade-Millionärinnen und -Millionären speiste, verfolgte Donald Trump im Nachbarzimmer den Angriff auf Iran.
Zwischendurch erschien der US-Präsident im Speisesaal. »Hat es geschmeckt? Waren Sie mit dem Essen zufrieden?«, habe Trump wie ein Clubmanager gefragt. Außenminister Marco Rubio lief ebenso durchs Bild wie Stabschefin Susie Wiles. Inmitten dieses einerseits bizarren, andererseits nicht ganz unsympathischen Sittengemäldes: Frank im Reporterglück. Anders als offenbar das Essen im Mar-a-Lago: köstlich!
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Mein Dinner mit Trump
Was heute weniger wichtig ist
Heidi Klum
Foto:Allison Dinner / EPA
Uschi, aus!: Heidi Klum, 52, hat offenbar regelmäßig unerwünschten nächtlichen Besuch ihrer Jagdhündin. Der »Bild«-Zeitung verriet sie, dass »Uschi« ständig zu ihr und Ehemann Tom Kaulitz unter die Bettdecke schlüpfe. Sämtliche Versuche, das Tier in sein Bett zu verfrachten, würden scheitern, so Klum. »Uschi sucht den Körperkontakt von Tom und mir. Sie will einfach alles!« Uschi sei riesig und wild, sagte Klum. »Aber auch total verschmust und anhänglich.«
Mini-Hohlspiegel
Die »Neue Osnabrücker Zeitung« über eine Fridays-for-Future-Demonstration gegen Donald Trump: »Die Polizei verzeichnete keine Unauffälligkeiten.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Könnten Sie sich in den neuen Roman des Berliner Schriftstellers Michael Wildenhain vertiefen. »Das Ende vom Lied« erzählt von einer Proletarierkindheit im West-Berlin des Jahres 1970.
Meine Großmutter, Tante und Onkel lebten in West-Berlin, ich habe noch lebhafte Erinnerungen an unsere Fahrten zu ihnen auf der »Transitautobahn« A24 inklusive zermürbender Kontrollen an der Grenze. Schon als Kind fand ich es faszinierend, wie auf der Wetterkarte der Tagesschau ein kleiner Fleck im Osten die Exklave der BRD markierte. »Wie muss es sich anfühlen, dort zu leben?«, fragte ich mich immer, weil unsere kurzen Verwandtenbesuche darauf keine Antwort gaben.
Wildenhain hat den Zauber dieses Lebens in seinem neuen Roman eingefangen, wie mein Kollege Wolfgang Höbel schreibt . Wildenhains Held, ein 13-Jähriger, begeistere sich für den Boxsport, erlebe die ersten Liebesqualen und werde ein wenig in die Anfänge des deutschen Linksterrorismus verwickelt.
»Es wird gelitten und gestorben, zugeschlagen und gebrüllt in ›Das Ende vom Lied‹, und doch huldigt der Autor, mitunter nostalgisch gerührt, einem untergegangenen Paradies«, schreibt Wolfgang.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

vor 1 Tag
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