News des Tages: Iran-Krieg und die Auswirkungen auf Deutschland und die Weltwirtschaft, der Wahlkampf in Baden-Württemberg

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Die Lage am Abend Hat Trumps »epische Wut« womöglich etwas Gutes?

02.03.2026, 18.05 Uhr

1. Hoffnung für Iran oder epische Wut für die Welt?

Satellitenaufnahmen zeigen teils massive Zerstörungen in Iran: die Überreste der Residenz des getöteten Ajatollah Khamenei, beschädigte Drohnenbunker und Marineschiffe. Doch das Regime schlägt zurück und gibt sich kämpferisch. (Lesen Sie hier die aktuellen Entwicklungen im Live-Blog).

Die US-Militäroperation mit dem Titel »Epic Fury« (Epische Wut) soll laut Präsident Donald Trump etwa vier Wochen dauern. Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte heute auf einer Pressekonferenz ebenfalls, man werde keinen »endlosen Krieg« führen. Kann das gelingen und wir sollten uns alle freuen? Oder erleben wir gerade den Ausbruch eines neuen Weltkriegs?

In der SPIEGEL-Redaktion gibt es dazu ganz unterschiedliche Meinungen.

Der stellvertretende Auslands-Ressortleiter Maximilian Popp hält Trumps Krieg für falsch: »Nicht zuletzt, weil er gegen die wichtigste Regel bei solchen Einsätzen verstößt: Bedenke das Ende.« Er hält eine schnelle Demokratisierung für unwahrscheinlich – und warnt vor einer Eskalation, bei der das Regime »die gesamte Region in Brand« setzen könnte. (Lesen Sie hier seinen Leitartikel .)

Meinungschefin Katrin Elger glaubt, dass Trump ausnahmsweise das Richtige tut – weil ein Regimewechsel denjenigen eine Chance geben könnte, die in Iran lange schon für Freiheit gekämpft haben. Den unterdrückten Frauen zum Beispiel. Es sei »anmaßend und unsolidarisch«, die »Hoffnung auf einen Regierungswechsel« als blauäugig abzutun. (Lesen Sie hier ihren Kommentar .)

US-Korrespondentin Nicola Abé sieht es anders: »Das iranische Regime ist wie eine Hydra, tief verwurzelt in der Bevölkerung. Führungsposten lassen sich nachbesetzen. Chaos ist ein wahrscheinliches Szenario.« Politischer Übergang könne mit Luftschlägen nicht herbeigebombt werden. (Lesen Sie hier mehr .)

Kolumnist Nikolaus Blome wiederum steht der Militäroperation der USA und Israels grundsätzlich wohlwollend gegenüber: »Wenn endlich jemand den Mullahs das Handwerk legen will«, solle man das loben, statt zu nörgeln. Es habe »in der Weltgeschichte schon schlechtere Pläne gegeben, die funktionierten.« (Hier lesen Sie mehr.)

Falls Sie mitdiskutieren möchten, empfehle ich Ihnen einen Besuch auf SPIEGEL-Debatte. Aktuell hält die Mehrheit der SPIEGEL-Leserinnen und -Leser den israelisch-amerikanischen Militärschlag gegen Iran für nicht gerechtfertigt. (Hier geht es zur Debatte.)

2. Anschlagsrisiko in Deutschland steigt

Deutschland ist derzeit nur Zuschauer beim Krieg gegen Iran, doch die Folgen werden auch hier zu spüren sein – zunächst in der Wirtschaft. Bereits am Morgen hatte die Furcht vor Versorgungsengpässen den europäischen Gaspreis an der Börse in Amsterdam um fast 50 Prozent nach oben schnellen lassen. Bei den Autofahrerinnen und Autofahrern kommt der Preisschub teils schon jetzt an. Denn steigt der Ölpreis, reagieren die Tankstellen oft binnen ein bis zwei Tagen .

(Lesen Sie hier, was der Irankonflikt für die Weltwirtschaft bedeutet .)

Und dann ist da noch das steigende Anschlagsrisiko in Deutschland. Die Kollegen aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro schreiben, dass Sicherheitspolitiker besorgt seien. Zwar reichen iranische Raketen und Drohnen nicht bis Berlin oder München, Iran verfüge aber über eine nicht minder gefährliche Waffe: Terrorismus.

Vergeltungsmaßnahmen durch iranische Schläferzellen in Europa seien nicht auszuschließen. Auch Israels Botschafter Ron Prosor warnte vor Racheakten auf deutschem Boden. »Ich halte bei diesen Terroristen alles für möglich«, sagte er. Man müsse sich »gut vorbereiten, immer mit einem offenen Auge schlafen«.

Vor allem jüdische, israelische und US-amerikanische Einrichtungen gelten als potenzielle Ziele. Man sehe eine »weiterhin hohe abstrakte Gefährdung für Einrichtungen in Deutschland, die Israel und den USA nahestehen«, hieß es am Montag aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz.

3. Angeschlagener Kandidat

Noch eine Woche Wahlkampf, dann wird in Baden-Württemberg über den Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) abgestimmt. Kurz vor der Wahl liegen Schwarze und Grüne fast gleichauf. Es sind entscheidende Tage, die meine Kollegin Christine Keck auf den Fersen der beiden Spitzenkandidaten Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) verbringt.

Am Wochenende war sie unter anderem auf Wahlkampfveranstaltungen in Waiblingen und Ostrach unterwegs. Ihr Fazit: Özdemir wirke »tiefenentspannt«, während Hagel versuche, seine Probleme »wegzuplaudern«. Mit seinem Parteifreund, NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, sprach Hagel über Blockflöten und grausigen Klavierunterricht. Dabei liegen im Hintergrund die Nerven blank.

Von einer »Rufmordkampagne« sprechen sie bei den Christdemokraten im Südwesten, die Wut sei enorm. Sie richtet sich gegen die grüne Bundestagsabgeordnete, die vor Kurzem das acht Jahre alte Video geteilt hat, in dem Hagel von den rehbraunen Augen einer Schülerin schwärmt. Seither sieht er sich mit Sexismusvorwürfen konfrontiert.

Özdemir hatte allerdings schon vor der Rehaugen-Affäre seines CDU-Konkurrenten in Umfragen aufgeholt. Christines Einschätzung zum Wahlkampf-Countdown im Süden: »Die Wahlkampfstrategie, alles maximal auf seine Person zuzuschneiden, könnte sich als richtig erweisen.«

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Von SPIEGEL.de

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Klaus Stuttmann

Die Poesie ist ein guter Schlüssel, um sich unsere verrückte Welt zu erschließen – oder sich vor ihr zu verstecken. »Reclams großes Buch der deutschen Gedichte« ist ein so schwerer Wälzer, dass er zum Angriff wie zur Selbstverteidigung genutzt werden könnte. Vor allem ist es ein fantastisches Buch für alle, die auf neue Gedanken kommen wollen.

Dafür eignet sich auch das neue Werk »einer der eigenwilligsten Philosophinnen ihrer Generation«: Eva von Redecker. Sie wuchs als Bauerntochter auf einem Biohof in Schleswig-Holstein auf und lebt heute auf einem Dorf in Brandenburg. In ihrem neuen Buch, »Dieser Drang nach Härte« , macht sie die Konkurrenzgesellschaft für den globalen Rechtsruck verantwortlich. Die Kollegen Tobias Becker und Tobias Rapp haben sie interviewt, lesen Sie hier ihr Gespräch .

Ihr eigenes Buch beschreibt Redecker als »Gang durchs Philosophiemuseum, aber in einem Moment, in dem das Museum brennt«. Sie wolle »die Augen öffnen für die ungehobenen Schätze der Kritischen Theorie. Hannah Arendt schreibt an einer Stelle über den verbitterten Zynismus der Leute, die den Sinn ihres eigenen Lebens nur erkennen, wenn ihnen von außen Wert zugemessen wird. Da dachte ich mir: Krass, das hat die geschrieben, bevor es Instagram gab.«


Einen schönen Abend wünscht,

Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion

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