Iran-Krieg: So reagieren Öl, Zinsen, Aktien und Gold aufs Friedensabkommen

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In der Nacht auf Montag bestätigte Trump nun ein Friedensabkommen mit dem Iran, das am Freitag unterschrieben werden soll. Und obwohl es so häufig in Aussicht gestellt wurde, hatten die Märkte den Deal nicht vollständig eingepreist, wie die Marktreaktionen vom Montag zeigen.

Energie

An den Rohstoffmärkten reagierten die Preise für Öl und Gas mit Verlusten auf die Aussicht, dass die für Energieexporte so wichtige Straße von Hormus bald öffnen könnte. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich am Montag um knapp fünf Prozent auf rund 83 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter).

Der Preis für die US-amerikanische Ölsorte WTI fiel ebenfalls um fünf Prozent auf rund 80 Dollar. Der europäische Referenzpreis für Gas brach zwischenzeitlich um fast sechs Prozent auf rund 44 Euro pro Megawattstunde ein. Allerdings notieren Rohöl und Gas noch immer fast 20 Prozent und mehr als 30 Prozent über dem Niveau vor dem Beginn der US-Angriffe auf Teheran.

Norbert Rücker, Ökonom bei der Schweizer Privatbank Julius Bär, kommentiert, es blieben zwar noch viele Fragen rund um die Einigung zwischen dem Iran und den USA offen. Dennoch „scheinen sich die Energiemärkte auf die altbekannte Konstellation eines Überangebots zuzubewegen“.

Rücker rechnet daher damit, dass die Preise für Energierohstoffe weiter sinken: „Wir sehen weiteren Druck auf die Ölpreise und halten an unserer neutralen Einschätzung für europäisches Erdgas fest.“

Im Zuge des Kriegs hatte der Iran die Seestraße von Hormus blockiert. Vor Kriegsbeginn wurde etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls durch die an ihrer engsten Stelle nur 33 Kilometer breite Wasserstraße transportiert.

Am Ölmarkt konnte das zumindest teilweise aufgefangen werden, weil  Saudi-Arabien – der größte Produzent der Golfstaaten – etwa 70 Prozent seiner Exporte aufrechterhielt. Er leitete täglich etwa sieben Millionen Barrel über die Ost-West-Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu um.

Zinsen

Durch die sinkenden Energiepreise lässt die Inflationsgefahr nach. Für die großen Notenbanken ist das eine gute Nachricht, dass sie die Zinsen womöglich nicht so stark anheben müssen wie befürchtet, um die Teuerung durch den Energieschock in den Griff zu bekommen.

Das wäre wiederum eine gute Nachricht für die Finanzmärkte, weil niedrigere Leitzinsen geringere Finanzierungskosten für die gesamte Wirtschaft bedeuten. Das könnte für eine vorläufige Fortsetzung der KI-Rally an den Börsen in den USA und Asien sprechen, weil Technologieaktien besonders zinssensibel reagieren.

Sinkende Energiepreise nehmen den Druck aus dem Kessel. Stephan KemperBNP Paribas,

Stephan Kemper, Wertpapierstratege bei der französischen Großbank BNP Paribas, sagt: „Für Kevin Warsh, den neuen Chef der US-Notenbank Fed, kommt der Deal genau zur rechten Zeit. Sinkende Energiepreise nehmen den Druck aus dem Kessel und geben der Notenbank dringend benötigten argumentativen Spielraum gegen die Markterwartungen weiterer Zinserhöhungen.“

Am Mittwoch wird die Fed ihre erste Zinsentscheidung unter der neuen Führung treffen. Die Mehrheit der Volkswirte geht davon aus, dass die Notenbank die Leitsätze in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent halten wird.

In den USA und Europa stiegen die Kurse der wichtigsten Staatsanleihen deutlich, spiegelbildlich fielen die Renditen. So gab die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,44 Prozent nach. Zum Vergleich: Mitte Mai lag dieser Wert noch bei 4,66 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf 2,96 Prozent, nach 3,12 Prozent im Mai.

In den vergangenen Wochen waren die Zinserwartungen wegen der hohen Inflation in der Euro-Zone und in den USA gestiegen. In den USA zog die Inflation im Mai beispielsweise auf 4,2 Prozent an, mehr als doppelt so hoch wie der Zielwert der Fed. Die Terminmärkte signalisierten daraufhin Zinserhöhungen um bis zu einen vollen Prozentpunkt bis Jahresende.

Aktien

Das Friedensabkommen lässt die Aktienkurse weltweit steigen.

  • Asien: In Japan steigt der Leitindex Nikkei um mehr als fünf Prozent auf einen Rekordstand. In Südkorea steigt der Kospi ebenfalls um mehr als fünf Prozent. Hier fehlen vom Tageshoch aber noch fast vier Prozent bis zu einem Rekord.
  • Europa: In Deutschland steigt der Dax um knapp zwei Prozent. Damit überwindet der Leitindex die Marke von 25.000 Punkten und nähert sich dem Rekordhoch von 25.508 Punkten an. Der marktbreite europäische Index Stoxx Europe 600 steigt vorbörslich um gut ein Prozent.
  • USA: An der Wall Street dürften die großen Indizes zum Handelsstart am Nachmittag ebenfalls steigen. Futures auf den marktbreiten Index S&P 500, den technologielastigen Nasdaq 100 und den Dow-Jones-Index der Standardwerte notieren allesamt mit mindestens einem Prozent im Plus.

Der unabhängige Analyst Ed Yardeni erklärt diese „Friedensdividende“ wie folgt: „Niedrigere Ölpreise dämpfen die Inflation weltweit, verschaffen den Zentralbanken Spielraum für eine geldpolitische Lockerung, falls erforderlich, lassen die Anleiherenditen sinken und schwächen den Dollar.“

Öl importierende Länder, insbesondere Schwellenländer, profitieren besonders von dieser Entwicklung. Dadurch erklärt sich auch der stärkere Kursanstieg der Aktien in Asien gegenüber jenen in Europa. Weil die USA Nettoexporteur von Öl sind, ist hier der Anstieg am geringsten.

Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners, weist allerdings darauf hin, dass es noch offene Punkte für eine langfristige Einigung zwischen dem Iran und den USA gebe: „Unter anderem wird es beim Atom-Thema noch lange und komplizierte Gespräche geben. Und auch das Verhalten von Israel gegenüber dem Libanon wird mitentscheidend sein.“

Diese verbleibenden Risiken blenden Anleger aber aus, sagt Altmann: „Heute ist auf dem Parkett ein Tag der Euphorie. Viele nutzen die positiven Nachrichten zum Einstieg. Alle anderen Nachrichten treten heute in den Hintergrund.“

Gold

Der Goldpreis steigt ebenfalls. Eine Feinunze des Edelmetalls verteuert sich um mehr als drei Prozent. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, weil Gold als Krisenwährung gilt. Diesem Narrativ folgend könnte eine Deeskalation der geopolitischen Lage den Preis unter Druck setzen.

Allerdings folgt der Goldpreis aktuell einer anderen Logik, erklärt Kemper: „Gold ist nicht der sichere Hafen, der hier gesucht wird. Vielmehr machen der schwächere Dollar und weichende Zinsen das Edelmetall wieder attraktiv für Anleger.“

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Gold wirft keine Zinsen ab, deswegen wird es in einem Hochzinsumfeld unattraktiver für Anleger. Zudem wird es in Dollar gehandelt. Steigt die US-Währung, wird es für Anleger aus anderen Währungsräumen relativ teurer.

Der Goldpreis stand deshalb seit Beginn des Irankriegs unter Druck: Zu Kriegsbeginn Ende Februar notierte der Preis bei fast 5300 Dollar. Das Tageshoch vom Montag liegt immer noch fast 18 Prozent unter diesem Niveau.

Viele Analysten sehen daher noch Kurspotenzial für das Edelmetall. Die Analysten der Großbank Goldman Sachs bestätigten etwa ihr Kursziel von 5400 US-Dollar je Feinunze bis Ende dieses Jahres.

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