5000 Königinnen im Gepäck – warum Ameisen zur beliebten Schmuggelware werden

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Bei Wildtier-Schmuggel denkt man meist an Stoßzähne und Hörner. Doch immer häufiger werden illegal gefangene Ameisen-Königinnen im Gepäck gefunden. Warum Menschen dafür horrende Summen bezahlen und welche Gefahren damit verbunden sind.

Geschäftig wimmeln Hunderte rot-schwarze Ameisen in einem Vorort von Nairobi über den Boden. „Sie sind groß und kühn, wunderschön mit ihren strahlenden Farben“, schwärmt der kenianische Ameisenexperte Dino Martins beim Blick auf die Tiere der Art Große Gartenameise (Messor cephalotes).

Mit maximal zweieinhalb Zentimetern Körperlänge sind die Ameisen zwar weniger imposant als Elefanten und Nashörner, die in Afrika schon seit Jahrzehnten von Wilderern gejagt werden – trotzdem sind sie Opfer einer neuen Form von Wilderei.

Kriminelle fangen die Tiere, sperren sie in Reagenzgläser und Probenröhrchen und verschicken sie zu stolzen Preisen an Insektenfans im Ausland, die sie im heimischen Terrarium züchten und beobachten wollen.

Auf europäischen Insekten-Verkaufsplattformen werden Königinnen der Großen Gartenameise für rund 200 Euro pro Exemplar gelistet. Zwar sind die Königinnen derzeit als „nicht auf Lager“ markiert, mit den richtigen Beziehungen aber trotzdem leicht zu haben, wie der Insektenfan Ryan aus Frankreich berichtet.

Der 25-jährige Hobbyzüchter findet Ameisen „hypnotisierend“ und wollte unbedingt sein eigenes Volk aus Messor cephalotes haben. Für 450 Euro kaufte er sich bei einem autorisierten Händler ein Starter-Set mit einer Königin und zwölf Arbeiterinnen. „Ein sehr vernünftiger Preis“, findet Ryan – vor zehn Jahren habe eine Königin noch um die 1000 Euro gekostet.

Große Gartenameisen sind in ganz Afrika verbreitet. Die Arbeiterinnen sind nahezu rund um die Uhr aktiv, sammeln Pflanzen und zerlegen sie als Nahrung für den Nachwuchs. Bis eine Kolonie eine neue Königin hervorbringt, können 20 bis 30 Jahre vergehen – umso schlimmer ist es, wenn Wilderer eine Königin fangen.

Die Art ist zudem wichtig für ihr Ökosystem: Die Ameisen verbreiten Grassamen, belüften den Boden, ihre Gänge helfen bei der Bewässerung, und die Tiere dienen Arten wie etwa Schuppentieren als Nahrung.

Mit der Ausbreitung des Internets ist auch der Ameisenhandel „explodiert“, wie der Forscher Jérôme Gippet von der Universität im schweizerischen Fribourg berichtet. 2017 wurden demnach bereits 500 der 15.000 weltweit existierenden Ameisenarten online angeboten. Bei mehr als zehn Prozent davon bestand laut Gippet die Gefahr einer invasiven Ausbreitung.

Gippet fordert, dass der Online-Handel mit Ameisen verboten wird, solange die damit verbundenen möglichen Umweltgefahren nicht geklärt sind. Verkauft werden dürften nach seiner Ansicht nur Tiere solcher Arten, die nicht bedroht sind und die kein „biologisches Invasionsrisiko“ darstellen.

In Kenia sind im Kampf gegen den Ameisenschmuggel in jüngster Zeit immerhin mehrere Schmuggler gefasst und verurteilt worden. Im Mai 2025 wurden zwei junge Belgier zu Geldstrafen verurteilt, die mit fast 5000 Königinnen (Messor cephalotes) im Gepäck festgenommen worden waren. Kürzlich erhielt ein Chinese eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, nachdem er mit 2000 Ameisen am Flughafen von Nairobi erwischt wurde.

„Stellen Sie sich vor, gewaltsam aus Ihrem Zuhause verschleppt und mit vielen anderen auf engstem Raum zusammengepfercht zu werden“, zog die Richterin im Prozess gegen die belgischen Schmuggler einen Vergleich zum Sklavenhandel.

Im Fall des verurteilten Chinesen erklärte das Gericht, eine „abschreckende Strafe“ sei angesichts der jüngsten Häufung des Ameisenschmuggels und des dadurch angerichteten Umweltschadens unbedingt nötig.

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AFP/rc

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